2015

2015
Nach den turbulenten Jahren 2013/14 in denen sich der räumliche Verhältnisse am Hof stark änderte und andere externe Entwicklungen den Hof in Atem hielten war 2015 das erste etwas ruhigere Jahr in dem sich die Vereinsarbeit konsolidieren konnte.

 

Zucht standortangepasster Bohnen- und Spinatsorten
Die Trockenheit und der Sandboden sind eine besondere Herausforderung unsere GärtnerInnen. Diese begannen dieses Jahr mit der Zucht standortangepasster Bohnen- und Spinatsorten. Dazu gehört, neben der bekannten Gärtnereitätigkeit, eine genaue Beobachtung, Dokumentation und Auslese einzelner Pflanzen und deren Vermehrung.

Heukartoffeln
Mit Leuten aus der Mauerpark Gruppe (Berlin) wurden Kartoffeln auf einem noch nichtumgebrochenen Acker gelegt und mit Heu bedeckt. Der Hintergrund dieser Pflanzvariante ist, daß die Kartoffel durch ihr Wachstum in die Tiefe den Boden umbricht und natürlich auch geerntet bzw. gegessen wird. Dieses Projekt missglückte leider wegen dem späten Frost, der alle Pflanzen schwarz werden ließ.

•Bienenworkshop  Teil 1
Mitte Mai gestaltete der Verein einen Bienenworkshop. Zunächst gab es einen theoretischen Teil, in dem das Wesen der Bienen erklärt wurde. Anschließend einen praktischen Teil, bei dem Teilnehmende über den Schulter der Imkerin gucken durften und Fragen Vorort stellen konnten.
Ziel des Workshops war den Teilnehmende die Imkerei näher zu bringen. Es nahmen 5 Personen  daran teil.

•Bienenworkshop Teil 2
Mitte Juni stand die erste Honigernte der Saison an. Der Verein organisierte einen Workshop, bei dem Teilnehmende am Bienenvolk die Honigernte miterleben durften. In der Küche wurden die Waben voller reifen Honig gemeinsam entdeckelt und anschließend geschleudert. Teilnehmende lernten dabei jeden Honigtropfen zu wertschätzen. Es war ein süßer Spaß miteinander!

•Sommerfest
Freitag: Workshop “Klimawandel und Landwirtschaft”
Wie es schon fast Tradition geworden ist, bieten wir jährlich vor unserem Sommerfest eine Bildungsveranstaltung für Menschen aus der Nachbarschaft und die ersten Gäste an. Dieses Jahr hat unser Vereinsmitglied Paula Gioia einen Workshop zum Thema Klima und Landwirtschaft gehalten. Dabei wurde auf die enge Verbindung zwischen Landwirtschaft und Klimawandel eingegangen und über praktische Ansätze diskutiert, durch welche die kleinbäuerliche Landwirtschaft dazu beiträgt, die Temperatur auf der Erde zu reduzieren. Einige konkrete Beispiele von den ökologischen Maßnahmen, die vom Verein im vergangenen Jahren durchgeführt wurden, wurden vorgestellt und im Zusammenhang mit dem Workshopsthema gebracht.

Live Beiträge:
Unter-Druck Theater
Unser Tierarzt Henry und seine Frau Kirsten musizierten in authentischen Kleidern aufmittelterlichen Instrumenten, natürlich mittelalterliche Musik
Mohammed Abu Hajar (Hip Hop aus Syrien)
Peanut Envy (Berlin)
Coost Lardy Cake Dj Performance

Wandelwoche 2015
Anfang September fand die Wandelwoche statt, an der der OLiB e.V. teilnahm.
So beschreiben die Veranstalter die Wandelwoche:
“Eine Welt, die ein gutes Leben für alle ermöglicht, ist möglich. Daran glauben die Initiatoren, Macher und Unterstützer der Wandelwoche.
Ein gutes Leben, das für ein solidarisches, gerechtes, achtsames Miteinander steht – mit dem ökologischen Bewusstsein, welches Umwelt & Natur erhält und unseren Planeten auch für die nachfolgenden Generationen lebenswert macht.(…)

Die Wandelwoche soll ein Schritt heraus aus der Nische sein.
Wir geben vielen guten Projekten und Ideen den Rahmen, um Sichtbarkeit zu erlangen, Seite an Seite mit Gleichgesinnten. So können sie Menschen mit ihren Ideen anstecken, sie motivieren, es Ihnen gleich tun oder an die Idee anzuknüpfen. Es kann Vernetzung entstehen, es finden sich Verbündete und begeisterte UnterstützerInnen und es können Bedarfe kommuniziert werden, um Unterstützung für die eigene Region zu erhalten.”
Am 10.09.2015 besuchte uns eine Gruppe von ca. 40 begeisterten Menschen, die mehr von unserer Arbeit erfahren wollten. Zunächst gab es eine Diskussionsrunde mit den Teilnehmende, dann einen Rundgang durch die Vereinsflächen.

Bienenworkshop, Teil 3
Mitte November, wann das Bienenjahr schon so gut wie vorbei ist, bot der Verein noch einen Bienenworkshop an. Hierzu wurden explizit Kinder eingeladen. Wir haben gemeinsam aus dem eigenen Bienenwachs Kerzen gegossen und gezogen. Teilnehmende konnten am Ende ihre selbst gemachten Kerzen mitnehmen und die ersten Weihnachtsgeschenke schon einpacken.

Workshop Türkei „Nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung“ 30.1.-2.2. 2015 Gaziantep, Türkei
Der Workshop wurde maßgeblich von Vereinsmitglied und aktive Landwirtin Julia Bar-Tal initiiert, gestaltet, organisiert und moderiert. Ziel war es Erfahrungen aus den Tätigkeiten des “O.L.i.B. e.V.” in Bezug auf Saatgut, Erhalt alter Sorten, geschlossenen landwirtschaftlichen Kreisläufen und unabhängiger und vielfältiger Lebensmittelproduktion mit Nutzung traditioneller landwirtschaftlicher Methoden für Menschen in anderen Regionen der Welt nutzbar zu machen.

Hier lag das Augenmerk darauf, aufbauend aus diesen Erfahrungen, Techniken zu entwickeln, die sinnvoll für Menschen in Krisenregionen (Kriegsland Syrien, ärmere Gegenden in der Türkei, Ägypten und Griechenland) nutzbar sind. An dem Workshop nahmen insgesamt 26 Menschen aus der Türkei, Ägypten, Griechenland, Dänemark, Syrien und Deutschland teil. Der 4-tägige Workshop mit dem Titel “Nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung – von der Theorie zur Praxis im Süden wie im Norden” richtete sich Landwirtschafts- und Ernährungsthemen und damit an MultiplikatorInnen.

Gespräche zur Lage in und um Syrien
Zu Beginn des Jahres haben wir gemeinsam mit (weitgereisten) Menschen aus Deutschland und hier lebenden Syrern versucht die Lage in und um Syrien zu reflektieren und zu verstehen. Eingeleitet wurde der Abend mit einem gemeinsamen Essen und einem Vortrag, der die Selbstverwaltungsstrukturen und deren Geschichte in Kurdistan darstellte. Anschließend berichteten die Gäste, die vor dem Krieg fliehen mussten, von ihren Erfahrungen.

Vereinshaus „Brennerei“ 2015

Im Frühjahr wurde der Schornstein für die linke Haushälfte aus Spendengeldern gekauft und von einem Maurer mit Gehilfin mit tatkräftiger Unterstützung von freiwilliger Helferinnen unter den Vereinsmitgliedern eingebaut. Nun konnte der Dachboden in zwei Zimmer geteilt werden, um Unterkünfte für die Freiwilligen und Gäste zu schaffen.
Im ersten Stock verständigten sich die Beteiligten darauf, die nur 24cm dicken Außenwände des Vereinshauses im ersten Stockwerk mit einer effizienteren Wärmedämmung zu isolieren . Nach längerer Planungsphase in der verschiedene Möglichkeiten einer Dämmung mit Fachleuten erörtert wurde, einigten sich die ausführenden Vereinsmitglieder auf eine Innendämmung mit ökologischen Baustoffen Lehm und Holzfaserplatten.

Nach der Entfernung des alten verschlissenen Kalkzementputzes und einer Einführung in die Lehmputztechnik durch unsere fachkundige Nachbarin Hannelore Krebs erfolgten mehrere Arbeitseinsätze (auch mit Gästen), um die Wände mit einem Lehmunterputz für die ökologische Dämmung mit Hartholzfaserplatten vorzubereiten. Um das ganze noch effizienter zu gestalten wurde nach und nach die Decke mit Altpapier gedämmt und verschalt.

Im Laufe des Jahres wurden sukzessiv die Aussenwände des Gebäudes verfugt. Dennoch liegt der Abschluss dieser zeitintensiven Arbeit noch in ferner Zukunft wodurch die Einrüstung des Hauses
bis auf weiteres stehen bleiben muss. Im Winter 2015 wurde der ursprüngliche Eingang im Vereinshauskeller wieder hergestellt, eine Tür eingebaut und ein Multifunktionskeller mit einer schönen Vereinsparty mit fast allen Mitgliedern und Freunden seiner Bestimmung übergeben.

Pferdearbeit

Die Arbeit mit den Pferden im Garten und Wald hat sich weiterentwickelt. Eine kleine Transportkutsche und ein paar Geräte wie ein Wendepflug, Krauter und Locher kamen dazu.

Es wurde vermehrt zweispännig gearbeitet und bei der gemeinschaftlichen Kartoffelernte im Herbst wurde zum ersten mal der Kartoffelroder von den Pferden gezogen.
Die etwas weniger arbeitsintensiven Wintermonate konnten zur Vermittlung der Grundlagen in der Bodenarbeit mit Arbeitspferden genutzt werden. Es wurden Arbeiten, wie das Longieren, Freiarbeiten im Zirkel, Joining, Führen an den langen Leinen, Holzrücken und Gespannführen vermittelt. Ausserdem die Grundlagen der Pferdehaltung und -pflege. Leider musste im November eins unserer Schleswiger Kaltblutpferden aus Altersgründen eingeschläfert werden.

Naturschutz
Besondere Aufmerksamkeit bekam die Pflege des Löschteichs und dessen Renaturierung. Durch vorsichtiges, oberflächiges Abfischen des Algenteppichs wurde der Nährstoffgehalt im Wasser verringert. Die Ziegen wurden um den Teich und am Waldrand gekoppelt, um durch ihre täglich wandernde Weidetätigkeit eine natürliche Landschaftspflege zu erreichen. Grössere Flächen von Altgras wurden erhalten um unseren Ringelnattern, Blindschleichen und Eidechsen warmen und sicheren Unterschlupf zu bieten.
Es fanden gemeinsame Beobachtung der dort lebenden Frösche, Molche, Schlangen, verschiedenste Insekten und Vögel statt. Zu Gast waren auch Eisvogel und Kernbeisser, um die selteneren Vertreter zu erwähnen.

Feuchtbiotop am Fließ

Zum Schutz der Feuchtflächen um das Fließ werden diese nicht bewirtschaftet. Etliche Erlen wurden entfernt, um Laubeintrag in Teich und Fließ zu verringern. Angelikawurzel, Alant, Kiefern, Birken, Sandornstäucher und verschiedene Obststräucher wurden an wenig oder nicht genutzten Flächen gepflanzt.
Wild gewachsene Eichenbäumchen wurden ausgegraben und in tiefe Töpfe gepflanzt.
Sie sollen später ein einer bunten Mischung eine Hecke zum Sandgarten bilden, die Frostschäden von den unteren Gartenbereichen fern hält bzw. verringert.

Insektenhotels und Reptilienhäuser

Aus Ziegel- und Natursteinen, Sand, Totholz und Gestrüpp wurden überall dort Haufen aufgeschichtet, an denen Reptilien beobachtet oder vermutet wurden. Mit den Pferden wurden diese Arbeiten unterstützt, sie zogen die schwereren Baumstämme Vorort.

Konservierung
Jedes Jahr werden in einer großen Gemeinschaftsaktion der Vereinsmitglieder Äpfel und Birnen in den alten Alleen der Umgebung gesammelt. Auf dem Hof werden sie gewaschen, zerkleinert, handgepresst, auf dem Feuer erhitzt und abgefüllt. So entstehen jedesmal ca. 700 Liter Apfelsaft. Auch Marmeladen, Gelees, Chutneys, Kräuter-Pestos, Chillipasten werden aus dem Ertrag des Gartens gemeinschaftlich eingekocht.

Kräuter
Im Garten, Wiese und Wald werden verschiedenste (Heil)Kräuter gesammelt, im Haus getrocknet, in Gläser gefüllt und auch verschiedene Teemischungen zum Eigengebrauch kreiert. Nach bewährten Rezepten wurden aus 5 Litern Bio-Weinbrand-Alkohol unter anderem mit Echinacea, Propolis, Gundermann, Gänseblümchen, Beinwell Tinkturen hergestellt.